09. April 2026
Zwischen Huskyfarmen, verschneiten Landschaften und der Schweiz beginnt die Geschichte von Swea – einem Hund, der das Leben seiner Menschen auf besondere Weise veränderte. Sie erzählt von Lappland, von Vertrauen zwischen Mensch und Tier und von Momenten, die alles verändern können.
Elisabeth verbrachte fünf Jahre in Finnisch-Lappland und arbeitete auf einer Huskyfarm, mitten in der Natur und umgeben von vielen Hunden. Ihr Ehemann Thomas besuchte sie regelmässig und verliebte sich ebenfalls in diese besondere Welt. Rund 90 Prozent der Hunde auf der Farm waren Huskys – kraftvoll, ausdauernd und gemacht für Kälte und lange Distanzen. Lappland war ihr gemeinsamer Sehnsuchtsort.
Im vorletzten Jahr kehrte Elisabeth endgültig in die Schweiz zurück. Der Wunsch nach einem eigenen Hund war schon lange da. Schnell wurde jedoch klar, dass ein Husky hier nicht ideal wäre: Temperaturen, Umgebung und Platz sind hier ganz anders. Deshalb suchten die beiden nach einer Rasse, die besser zu ihrem heutigen Leben passt.
Über einen sogenannten «Unfallwurf» wurden Elisabeth und Thomas auf Finnische Lapphunde aufmerksam – nordisch, bewegungsfreudig, aber alltagstauglicher als Huskys. Im Herbst 2024 besuchten sie eine Züchterin im Berner Oberland. Obwohl Swea als eher scheu beschrieben wurde, suchte sie sofort die Nähe von Thomas und Elisabeth. Wie man so schön sagt: «Der Hund muss den Menschen wählen.» Swea war auch optisch besonders: Während Finnische Lapphunde meist schwarz-weiss sind, ist sie weiss mit dominobraunen Flecken. Im November 2024 zog sie ein und der Alltag begann ganz normal – noch ahnte niemand, was folgen würde.
Im Sommer 2025 reiste Elisabeth erneut nach Finnisch-Lappland, um auf der Huskyfarm beim Aufziehen von Welpen zu helfen – Swea kam mit. Obwohl sie selbst noch jung war, bewegte sie sich selbstverständlich in dieser Welt. Nach ein bis zwei Monaten kehrten die beiden wieder in die Schweiz zurück.
Im Winter besuchte das Ehepaar Freunde in der Region Ivalo und reiste mit Swea über Weihnachten erneut nach Finnisch-Lappland. Auch ihre Freunde betrieben eine Huskyfarm. Swea liebte es dort und genoss das Zusammensein mit den anderen Hunden und den Schnee.
Bei einem Spaziergang an einem neuen Ort kamen sie an einer Huskyfarm vorbei. In Finnisch-Lappland kann es passieren, dass Hunde entkommen, etwa wenn eine Tür offenbleibt oder hoher Schnee die Zäune niedriger macht. Plötzlich tauchten sechs Huskys auf und sahen Swea als Eindringling in ihrem Gebiet. Die Hunde stürzten sich auf sie und rissen sie zu Boden. Das Ehepaar ging dazwischen, versuchte sie zu schützen und wurde selbst gebissen. Zwei bis drei Minuten dauerte der Angriff.
Dann kam eine Frau mit einem Kessel Wasser und schüttete es über die Huskys. In der Verwirrung konnte sie Swea packen und wegtragen. Elisabeth und Thomas vertrieben die Hunde. Swea lebte – war aber schwer verletzt.
Sie fuhren sofort zum Tierarzt in Ivalo, doch wegen der schweren Verletzungen musste Swea in ein Tierspital nach Oulu gebracht werden – 650 Kilometer entfernt. Dort wurde sie sofort dreimal operiert – an den Nieren, am Magen und wegen zahlreicher Bisswunden. Dazu kam eine Blutvergiftung. Tage voller Ungewissheit folgten. Die Ärzte wussten nicht, ob Swea überleben würde. Auch die Nachbarin der Familie, selbst Tierärztin, wurde einbezogen. Für Thomas war es bewegend zu sehen, wie Menschen über Ländergrenzen hinweg gemeinsam um Sweas Leben kämpften.
Nach zwei weiteren Tagen und Nächten im Spital kam am dritten Tag die erlösende Nachricht: Swea würde überleben. Anfangs wollte sie jedoch nicht fressen. Erst mit ihrem gewohnten Futter begann sie wieder zu essen. Nach einigen Tagen Beobachtung war sie am 29. Dezember transportfähig.
Am nächsten Morgen holten sie Swea ab und machten sich auf den Heimweg: Von Oulu fuhren sie 1'200 Kilometer nach Stockholm und übernachteten dort im Hotel. Danach fuhren sie von Stockholm quer durch Dänemark nach Hamburg und schliesslich zurück in die Schweiz. Insgesamt 3’300 Kilometer in drei Tagen.
Auf Empfehlung des Tierspitals wurde Swea nach der Rückkehr in die Schweiz nochmals im Tierspital Marigin untersucht. Die Wunden und Blutwerte waren erfreulich, einzig der Herzschlag war noch unregelmässig – vermutlich als Folge des Schocks. Bei der Kontrolle Ende Januar zeigte sich dann: Die Wunden waren verheilt und der Puls wieder normal.
Heute ist Swea wieder fit, fröhlich und voller Energie. Die Tierarztkosten in Finnland beliefen sich auf rund 9’000 Euro – in der Schweiz wäre es vermutlich deutlich mehr gewesen. Ein grosser Teil wurde von der Tierversicherung wau-miau übernommen, wofür Elisabeth und Thomas sehr dankbar sind. Das Tierspital in Finnland meldet sich bis heute regelmässig, um nach Swea zu fragen.
Diese Geschichte erzählt von Mut, Zusammenhalt und Liebe – und von einem Hund, der sich seine Menschen ausgesucht und entschieden hat zu bleiben. Sie zeigt zugleich, wie wichtig die richtige Absicherung in schwierigen Momenten sein kann.